
Für Menschen mit einer ausgeprägten Glücksspielsucht kann eine stationäre Behandlung in einer spezialisierten Fachklinik der entscheidende Schritt zur Genesung sein. Anders als bei ambulanter Beratung bietet die stationäre Therapie einen strukturierten Behandlungsrahmen, der Betroffene vollständig aus dem spielförderlichen Alltag herauslöst und intensive therapeutische Arbeit ermöglicht.
Wann ist eine stationäre Therapie sinnvoll?
Nicht jeder, der unter Spielsucht leidet, benötigt sofort eine stationäre Behandlung. Ein Stufenmodell der Behandlung orientiert sich am Schweregrad der Erkrankung:
- Stufe 1: Selbsthilfegruppen und telefonische Beratung (Einstieg)
- Stufe 2: Ambulante Suchtberatung und Psychotherapie
- Stufe 3: Teilstationäre Behandlung (Tagesklinik)
- Stufe 4: Vollstationäre Rehabilitation in einer Fachklinik
Eine vollstationäre Behandlung ist in der Regel angezeigt, wenn:
- Ambulante Maßnahmen nicht zum gewünschten Erfolg führten
- Schwere Begleiterkrankungen vorliegen (z. B. Depressionen, Angststörungen, Suizidgedanken)
- Das soziale Umfeld eine ambulante Behandlung erschwert
- Eine Entgiftung oder Krisenintervention notwendig ist
- Der Betroffene einen intensiven, strukturierten Rahmen benötigt
BZgA-Helpline Glücksspielsucht: 0800 1 37 27 00
Hilft auch bei der Suche nach geeigneten Kliniken und Beratungsstellen. Täglich 10–22 Uhr.
Fachkliniken in Deutschland: Übersicht
In Deutschland gibt es eine Reihe von Kliniken und Rehabilitationseinrichtungen, die sich auf die Behandlung von Suchterkrankungen – darunter Spielsucht – spezialisiert haben. Die folgenden Einrichtungen sind für ihre Arbeit im Bereich Verhaltenssüchte bekannt. Dies ist keine abschließende Liste; die Eignung einer Klinik sollte stets individuell geprüft werden.
Median Klinik Bad Hersfeld – Wigbertshöhe
Ort: Bad Hersfeld, Hessen
Spezialisierte Rehabilitationsklinik mit einem ausgewiesenen Suchtbehandlungsprogramm. Bekannt für Behandlung von Verhaltenssüchten einschließlich pathologischem Glücksspiel.
Stationär Verhaltenssucht GKV-zugelassenMedian Kliniken am Schweriner See
Ort: Lübstorf / Schwerin, Mecklenburg-Vorpommern
Rehabilitationszentrum im Naturpark Mecklenburgische Seenplatte. Behandlung psychischer und Suchterkrankungen in ruhiger Umgebung.
Stationär Suchtmedizin GKV-zugelassenSuchtklinik Lindow
Ort: Lindow (Mark), Brandenburg
Fachklinik für Suchterkrankungen in der Ruppiner Seenlandschaft. Bekannt für ein breites Spektrum an Suchtbehandlungen, unter anderem Verhaltenssüchte.
Stationär Verhaltenssucht GKV-zugelassenMedian Klinik Wigbertshöhe (Überblick)
Ort: Hessen
Teil des Median-Verbunds – eine der größten deutschen Rehabilitationsgruppen mit zahlreichen Standorten und spezialisierten Suchtprogrammen.
Stationär GKV-zugelassenFachkliniken des AWO-Verbunds (bundesweit)
Ort: Bundesweit
Die AWO betreibt an vielen Standorten Sucht- und Psychiatrieeinrichtungen. Die einzelnen Fachkliniken bieten häufig Programme für Verhaltenssucht an.
Stationär AmbulantPsychiatrische Fachabteilungen
Ort: Bundesweit
Viele psychiatrische Kliniken und Universitätskliniken verfügen über suchtspezifische Abteilungen oder Spielsuchtprogramme – informieren Sie sich bei regionalen Einrichtungen.
Psychiatrie Stationär
Was erwartet mich in einer Fachklinik?
Stationäre Suchtrehabilitation ist ein strukturiertes Behandlungsprogramm, das in der Regel folgende Elemente umfasst:
Diagnostik und Behandlungsplanung
Zu Beginn steht eine umfassende Diagnostik: Welches Ausmaß hat die Spielsucht? Gibt es Begleiterkrankungen wie Depressionen, Angststörungen oder eine Schuldenproblematik? Auf dieser Grundlage wird ein individueller Behandlungsplan erstellt.
Einzel- und Gruppentherapie
Den Kern der stationären Behandlung bilden psychotherapeutische Einzel- und Gruppentherapien. Die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) gilt als besonders wirksam: Sie hilft Betroffenen, automatische Denkmuster und Auslöser des Spielens zu erkennen und neue Verhaltensstrategien zu entwickeln.
Rückfallprävention
Ein wichtiger Bestandteil ist die Rückfallprophylaxe: Hochrisikosituationen werden identifiziert und Bewältigungsstrategien eingeübt. Wie reagiert man, wenn man an einer Spielhalle vorbeiläuft? Was tun, wenn der Drang zum Spielen aufkommt?
Schuldenberatung und soziale Rehabilitation
Glücksspielsucht zieht häufig erhebliche finanzielle Probleme nach sich. Gute Fachkliniken bieten deshalb auch Sozialberatung und in Kooperation mit Schuldnerberatungsstellen Unterstützung bei der Schuldenregulierung an.
Nachsorge
Nach dem Klinikaufenthalt ist eine strukturierte Nachsorge wichtig: ambulante Weiterbehandlung, Selbsthilfegruppen oder Nachsorgeprogramme der Kliniken reduzieren das Rückfallrisiko erheblich.
Kosten und Kostenübernahme
Die Kosten einer stationären Suchtrehabilitation werden in Deutschland in der Regel von den Sozialversicherungsträgern übernommen:
| Kostenträger | Zuständigkeit | Kontakt |
|---|---|---|
| Deutsche Rentenversicherung | Berufstätige, Versicherte mit ausreichend Rentenbeitragsjahren | 0800 1000 4800 |
| Gesetzliche Krankenkasse (GKV) | Wenn DRV nicht zuständig; bei psychischer Komorbidität | Ihre Krankenkasse |
| Jobcenter / Sozialamt | Bei laufendem ALG-II-Bezug oder Sozialhilfe | Zuständiges Amt |
Für den Antrag auf Rehabilitation ist in der Regel ein Arzt oder eine Beratungsstelle behilflich. Die BZgA-Hotline kann ebenfalls über Finanzierungswege informieren.
Wie lange dauert eine stationäre Behandlung?
Die Dauer variiert je nach Indikation und Kostenträger:
- Kurzzeittherapie: 4–6 Wochen (bei weniger schwerem Verlauf und günstigem sozialen Umfeld)
- Regelbehandlung: 8–16 Wochen (Standardfall bei Verhaltenssucht)
- Langzeittherapie: bis zu 6 Monate (bei schwerer Komorbidität oder mehrfachen Vorbehandlungen)
Alternativen zur vollstationären Behandlung
Vollstationäre Rehabilitation ist nicht für alle Betroffenen der richtige Weg. Alternativen umfassen:
- Tagesklinische Behandlung: Ganztags in der Klinik, nachts zu Hause – kombiniert Intensität und Alltagsnähe.
- Ambulante Suchttherapie: Regelmäßige Therapiesitzungen bei niedergelassenem Psychotherapeuten oder Suchtberatungsstelle.
- Online-Therapie: Einige Anbieter bieten digitale Programme zur Behandlung von Glücksspielsucht an.
- Selbsthilfegruppen: Niedrigschwellig, kostenlos, langfristig unterstützend.
Häufig gestellte Fragen zu Fachkliniken bei Spielsucht
Muss ich für eine Spielsucht-Klinik eine Wartezeit einplanen?
Ja, Wartezeiten von einigen Wochen bis mehreren Monaten sind möglich. Beratungsstellen und der behandelnde Arzt können helfen, den Prozess zu beschleunigen und gegebenenfalls Überbrückungsmaßnahmen einzuleiten. In akuten Krisen kann über die psychiatrische Notaufnahme eine schnellere Aufnahme ermöglicht werden.
Wie beantrage ich eine stationäre Rehabilitation?
Den Reha-Antrag stellen Sie gemeinsam mit Ihrem Arzt oder einer Suchtberatungsstelle. Der Antrag geht an die Deutsche Rentenversicherung oder Ihre Krankenkasse. Beratungsstellen helfen bei den Formalitäten und der Auswahl einer geeigneten Klinik – nutzen Sie dafür die Beratungsseite.
Kann ich mir die Klinik selbst aussuchen?
Grundsätzlich ja – Sie haben ein Wunsch- und Wahlrecht. Die Klinik muss allerdings vom jeweiligen Kostenträger zugelassen sein. Eine Liste zugelassener Einrichtungen stellt die Deutsche Rentenversicherung bereit.
Darf ich während der stationären Therapie Besuch empfangen?
In der Regel ja, aber Besuch wird in der Regel erst nach einer Eingewöhnungsphase (oft 2–4 Wochen) erlaubt. Die genauen Regelungen variieren je nach Klinik und Behandlungskonzept. Kliniken, die Familienarbeit in die Therapie einbeziehen, sehen oft strukturierte Familienbesuche vor.
Was passiert mit meinem Job, während ich in der Klinik bin?
Während einer genehmigten Rehabilitation besteht Kündigungsschutz. Ihr Arbeitgeber wird in der Regel nicht über die Diagnose informiert – bei der DRV-Rehabilitation erhalten Sie Übergangsgeld. Sprechen Sie mit Ihrer Beratungsstelle und dem zuständigen Kostenträger über die genauen arbeits- und sozialrechtlichen Regelungen.
Gibt es Fachkliniken speziell für Frauen oder junge Erwachsene?
Ja, einige Kliniken bieten frauenspezifische Suchtprogramme an. Für Jugendliche und junge Erwachsene gibt es spezialisierte Kinder- und Jugendpsychiatrische Einrichtungen. Fragen Sie bei der BZgA-Hotline oder einer Beratungsstelle nach regionalen Angeboten.
Wie unterscheidet sich eine Spielsucht-Therapie von einer Alkohol- oder Drogentherapie?
Der grundlegende Therapierahmen (Einzel-/Gruppentherapie, Rückfallprävention) ist ähnlich. Bei Spielsucht liegt der Schwerpunkt stärker auf Auslöseanalyse, Impulskontrolltraining und dem Umgang mit der oft begleitenden Schuldenproblematik. Eine körperliche Entgiftung ist bei Verhaltenssucht nicht notwendig.
Sind Fachkliniken für Spielsucht kostenlos?
Bei bewilligter Rehabilitation übernehmen Rentenversicherung oder Krankenkasse die Behandlungskosten vollständig oder nahezu vollständig. Ein Eigenanteil (Zuzahlung) kann je nach Krankenkasse anfallen. Details klären die behandelnde Klinik und der Kostenträger im Vorfeld.
Kann ich auch ohne Kassenleistung in eine Klinik gehen?
Eine Selbstzahlung ist grundsätzlich möglich, jedoch sehr kostspielig. In den meisten Fällen ist es sinnvoll, zunächst den Weg über den gesetzlichen Kostenträger zu versuchen. Eine Beratungsstelle hilft dabei, den Antrag auf Kostenübernahme erfolgreich zu stellen.
Was ist der Unterschied zwischen einer psychiatrischen Klinik und einer Fachklinik für Sucht?
Psychiatrische Kliniken behandeln ein breites Spektrum psychischer Erkrankungen, oft auch in akuter Krise. Suchtfachkliniken sind auf die Rehabilitation bei Abhängigkeitserkrankungen spezialisiert und bieten strukturiertere, auf Rückfallprävention ausgerichtete Programme. Bei schwerer psychiatrischer Komorbidität können beide Einrichtungstypen sinnvoll sein.
Wie hoch ist die Erfolgsrate bei stationärer Spielsuchttherapie?
Eine eindeutige Rückfallquote lässt sich nicht pauschal nennen; sie hängt von vielen Faktoren ab (Schwere der Erkrankung, soziales Umfeld, Nachsorge). Studien zeigen, dass strukturierte Therapie – insbesondere in Verbindung mit Nachsorge und Selbsthilfe – die Abstinenzrate deutlich verbessert. Rückfälle gelten dabei als Teil des Genesungsprozesses, nicht als Scheitern.
Gibt es Online-Angebote als Alternative zur stationären Therapie?
Ja. Digitale Selbsthilfeprogramme und Online-Therapieplattformen können als Ergänzung oder Vorstufe zur stationären Behandlung sinnvoll sein. Sie sind allerdings kein vollwertiger Ersatz bei schwerer Spielsucht. Informieren Sie sich bei einer Beratungsstelle über geeignete digitale Angebote.
Müssen Kinder von Betroffenen während der Therapiezeit anderweitig betreut werden?
Das ist ein praktischer Aspekt, den Beratungsstellen und Kliniken in der Vorbereitung gerne besprechen. Einige Kliniken haben Lösungen für Elternteile (z. B. Mutter-Kind-Einrichtungen). Das Jugendamt oder Familienberatungsstellen können ebenfalls bei der Überbrückung helfen.
Wie finde ich die nächste Suchtfachklinik in meiner Region?
Die BZgA-Hotline (0800 1 37 27 00) gibt eine telefonische Übersicht regionaler Kliniken. Zusätzlich bieten die Websites der Deutschen Rentenversicherung, der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) und regionale Beratungsstellen Verzeichnisse an.
Gibt es auch ambulante Suchttherapie als Alternative zur Klinik?
Ja – ambulante Suchttherapie ist bei leichteren Verläufen oft ausreichend und ermöglicht das Weiterarbeiten. Sie findet bei niedergelassenen Psychotherapeuten oder Suchtberatungsstellen statt. Mehr dazu auf der Beratungsseite.