Selbsthilfegruppen bei Spielsucht

Lesezeit: ca. 7 Minuten

Selbsthilfegruppen sind ein bewährtes, niedrigschwelliges Angebot für Menschen mit Glücksspielsucht. Sie bieten das Zusammentreffen mit anderen Betroffenen, gegenseitigen Erfahrungsaustausch und gemeinschaftliche Unterstützung – kostenlos und ohne bürokratischen Aufwand. Selbsthilfe kann allein stehen oder professionelle Therapie sinnvoll ergänzen.

Selbsthilfegruppe im Gespräch – gemeinsam den Weg aus der Sucht gehen

Was leisten Selbsthilfegruppen?

Wer unter Spielsucht leidet, erlebt häufig Isolation: Scham verhindert offene Gespräche mit Familie oder Freunden. In Selbsthilfegruppen treffen Betroffene auf Menschen, die ähnliches erlebt haben. Das schafft Vertrauen, Verständnis und konkrete Unterstützung.

Selbsthilfegruppen bieten:

Anonyme Spieler (AS)

Anonyme Spieler (auch Gamblers Anonymous, GA) ist eine der ältesten und verbreitetsten Selbsthilfeorganisationen für Spielsüchtige. Das Programm basiert auf dem Zwölf-Schritte-Modell, das aus den Anonymen Alkoholikern hervorgegangen ist. Mitglieder teilen ihre Erfahrungen in regelmäßigen Treffen und unterstützen sich gegenseitig auf dem Weg zur Abstinenz.

Merkmale:

Anonyme Spieler – Treffen finden Über die Website der Anonymen Spieler Deutschland können Gruppenorte und -zeiten in Ihrer Region abgerufen werden. Die BZgA-Hotline (0800 1 37 27 00) kann ebenfalls regionale Gruppen vermitteln.

KREUZBUND

Der KREUZBUND ist ein konfessionell geprägter Selbsthilfeverband, der in Deutschland zahlreiche Gruppen für Menschen mit Suchterkrankungen führt. Neben Alkohol- und Medikamentensucht werden zunehmend auch Verhaltenssuchtgruppen angeboten. Gruppen treffen sich regelmäßig in kirchlichen Gemeinderäumen und anderen Räumlichkeiten.

Familienangehörige von Anonymen Spielern (GamAnon)

Nicht nur Betroffene selbst, sondern auch deren Angehörige brauchen Unterstützung. GamAnon (in Deutschland auch als Familienangehörige Anonymer Spieler bekannt) richtet sich an Partner, Eltern, Kinder und Freunde von Spielsüchtigen. In diesen Gruppen können Angehörige offen über ihre Belastungen sprechen, Grenzen setzen lernen und Selbstfürsorge üben.

Online-Selbsthilfe

Für Menschen, die keine Gruppenbetreuung vor Ort wahrnehmen können oder wollen, bieten sich Online-Selbsthilfeangebote an:

Selbsthilfe und professionelle Therapie kombinieren

Selbsthilfegruppen ersetzen in schweren Fällen keine professionelle Behandlung. Bewährt hat sich die Kombination: Während oder nach einer ambulanten oder stationären Therapie können Selbsthilfegruppen als dauerhaftes Netz für Rückfallprävention und soziale Integration wirken.

Informationen zu stationären Behandlungsmöglichkeiten finden Sie auf der Fachkliniken-Seite, ambulante Optionen auf der Beratungsseite.

Kostenlose Telefonberatung

BZgA-Helpline: 0800 1 37 27 00 – täglich 10–22 Uhr, anonym und kostenlos. Hilft auch bei der Vermittlung von Selbsthilfegruppen in Ihrer Region.

Häufig gestellte Fragen zu Selbsthilfegruppen

Muss ich abstinent sein, um zu einer Selbsthilfegruppe zu gehen?

Nein. Die meisten Gruppen, darunter Anonyme Spieler, sind offen für alle, die den Wunsch haben, ihr Spielverhalten zu verändern – unabhängig davon, ob man gerade abstinent ist oder gerade erst mit dem Thema beginnt. Rückfälle werden nicht verurteilt, sondern als Teil des Prozesses betrachtet.

Ist die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe wirklich anonym?

Bei Anonymen Spielern ist Anonymität ein zentrales Prinzip. Alles, was in den Meetings gesprochen wird, bleibt dort. Mitglieder können nur ihren Vornamen verwenden und müssen keine persönlichen Daten angeben.

Wie oft trifft sich eine Selbsthilfegruppe?

Das variiert je nach Gruppe. Viele Gruppen treffen sich wöchentlich, manche mehrmals pro Woche. Online-Meetings ermöglichen eine noch flexiblere Teilnahme. Fragen Sie bei der BZgA-Hotline oder auf der Website der Anonymen Spieler nach Ihren regionalen Optionen.

Funktioniert Selbsthilfe wirklich bei Spielsucht?

Studien und Erfahrungsberichte belegen, dass Selbsthilfegruppen wie Gamblers Anonymous einen positiven Effekt auf Abstinenz und Wohlbefinden haben können – insbesondere in Kombination mit professioneller Behandlung. Sie wirken vor allem durch die Gemeinschaft, den sozialen Rückhalt und die gemeinsam gelebten Strategien.

Gibt es Gruppen speziell für Angehörige von Spielsüchtigen?

Ja. GamAnon (Familienangehörige Anonymer Spieler) richtet sich explizit an Menschen, die mit einer spielsüchtigen Person zusammenleben oder anderweitig betroffen sind. Auch die BZgA-Hotline berät Angehörige.

Kostet die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe etwas?

Nein. Selbsthilfegruppen wie Anonyme Spieler sind kostenlos. Es gibt keine Mitgliedsbeiträge, keine Gebühren. Manche Gruppen sammeln freiwillig Spenden für Raummiete oder ähnliches, aber niemand ist dazu verpflichtet.

Kann ich auch ohne Diagnose an einer Gruppe teilnehmen?

Ja. Eine formale Diagnose ist für Selbsthilfegruppen nicht erforderlich. Es reicht der Wunsch, das eigene Spielverhalten zu verändern oder zu verstehen.

Was passiert bei meinem ersten Besuch einer Selbsthilfegruppe?

Beim ersten Treffen müssen Sie in der Regel nichts sagen – Zuhören ist vollkommen in Ordnung. Viele Gruppen begrüßen neue Mitglieder herzlich und erklären kurz den Ablauf. Sie können im eigenen Tempo Vertrauen aufbauen und nach und nach aktiver werden.