Sportwetten-Sucht: Wenn Wetten zur Abhängigkeit wird

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Sportwetten sind in Deutschland weit verbreitet – und für viele Menschen ein harmloses Freizeitvergnügen. Doch für einen Teil der Wettenden entwickelt sich daraus ein unkontrollierbares Muster, das erheblichen Schaden anrichten kann. Sportwetten-Sucht ist eine Form der Glücksspielstörung und wird wie jede andere Sucht behandelt.

Sportwetten auf dem Smartphone – digitale Zugänglichkeit als Risikofaktor

Was ist Sportwetten-Sucht?

Sportwetten-Sucht bezeichnet das zwanghafte, unkontrollierbare Wetten auf Sportereignisse. Auch wenn Sportwetten oft als „Wissen und Können" eingestuft werden – letztlich handelt es sich um ein Glücksspiel, das starkes Suchtpotenzial aufweist. Kennzeichen sind:

Warum sind Sportwetten besonders riskant?

Im Vergleich zu anderen Glücksspielformen haben Sportwetten einige besondere Merkmale, die das Suchtpotenzial erhöhen können:

Selbstsperre als Soforthilfe Über das bundesweite Sperrsystem OASIS können sich Spieler bei allen lizenzierten Anbietern selbst sperren. Eine Selbstsperre unterbricht den unmittelbaren Zugang und schafft Abstand. Informationen über Sperrmöglichkeiten erhalten Sie bei der BZgA-Hotline (0800 1 37 27 00).

Warnzeichen einer Sportwetten-Sucht

Einige Anzeichen, die auf ein problematisches Wettverhaltens hinweisen:

Füllen Sie den Selbsttest aus, um eine erste Einschätzung zu erhalten.

Sportwetten-Sucht und der Glücksspielstaatsvertrag

Mit dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) hat Deutschland ein reguliertes Lizenzierungssystem für Sportwettenanbieter eingeführt. Lizenzierte Anbieter sind zu Spielerschutzmaßnahmen verpflichtet, darunter:

Diese Schutzmaßnahmen können Betroffenen helfen – ersetzen aber keine professionelle Behandlung bei bereits bestehender Sucht.

Hilfe bei Sportwetten-Sucht

Sportwetten-Sucht ist behandelbar. Das Hilfsangebot in Deutschland umfasst:

Kostenlose Beratung bei Sportwetten-Sucht

BZgA-Helpline: 0800 1 37 27 00
Täglich 10–22 Uhr – kostenlos, vertraulich, ohne Voranmeldung.

Häufig gestellte Fragen zur Sportwetten-Sucht

Ist Sportwetten-Sucht eine echte Krankheit?

Ja. Glücksspielstörung – einschließlich Sportwetten-Sucht – ist als psychische Erkrankung international anerkannt und in ICD-11 (6C50) sowie DSM-5 klassifiziert. Betroffene haben Anspruch auf professionelle Behandlung, die von Krankenkasse oder Rentenversicherung übernommen wird.

Wie unterscheidet sich Sportwetten-Sucht von anderen Spielsuchtformen?

Sportwetten-Süchtige erleben oft einen stärkeren Trugschluss der Kontrolle (Wissen über Mannschaften, Statistiken). Das kann das Erkennen der Sucht verzögern, da das eigene Spielverhalten als „informiert" rationalisiert wird. Die zugrundeliegenden Suchtmechanismen sind jedoch identisch mit anderen Glücksspielformen.

Kann ich mich bei Sportwettanbietern selbst sperren lassen?

Ja. Über das bundesweite OASIS-System können Sie sich plattformübergreifend bei allen lizenzierten Anbietern sperren. Diese Sperre gilt für alle teilnehmenden Anbieter gleichzeitig. Informationen dazu erhalten Sie über die BZgA-Hotline oder direkt bei einem lizenzierten Anbieter.

Hilft es, alle Wettenkonten zu schließen?

Das Schließen von Konten ist ein sinnvoller erster Schritt, löst aber die psychologischen Ursachen der Sucht nicht. In der Praxis eröffnen viele Betroffene ohne begleitende Therapie neue Konten bei anderen Anbietern. Eine professionelle Behandlung adressiert die Grundproblematik.

Live-Wetten – sind sie gefährlicher als normale Wetten?

Fachleute weisen darauf hin, dass Live-Wetten durch ihre hohe Frequenz und Unmittelbarkeit (man kann während eines laufenden Spiels mehrmals wetten) das Suchtpotenzial erhöhen können. Die schnelle Abfolge von Einsatz, Ergebnis und erneutem Einsatz ähnelt in ihrer Wirkung dem Automatenspiel.

Mein Partner wettet zu viel – was soll ich tun?

Zunächst: Keine Schulden begleichen, kein Geld für Wetten bereitstellen. Suchen Sie selbst Unterstützung bei GamAnon (Angehörige von Spielsüchtigen). Sprechen Sie ruhig und ohne Vorwürfe mit Ihrem Partner über Ihre Sorgen und zeigen Sie Hilfsangebote auf. Die BZgA-Hotline bietet auch Beratung für Angehörige.

Kann Sportwetten-Sucht geheilt werden?

Eine vollständige „Heilung" ist bei Suchterkrankungen kein gängiges Konzept – vielmehr geht es um die Erlangung und Aufrechterhaltung der Abstinenz sowie ein gutes Leben damit. Mit professioneller Behandlung und dauerhafter Nachsorge gelingt vielen Betroffenen langfristige Abstinenz und eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität.

Sind Freigaben durch Werbung und Sponsoring von Sportvereinen ein Problem?

Die starke Präsenz von Wettanbietern im Sport wird von Suchtexperten kritisch gesehen, da sie Wetten normalisiert und besonders junge Menschen anspricht. Der GlüStV 2021 enthält Werbeeinschränkungen, die Werbung während Live-Sportübertragungen begrenzen. Die gesellschaftliche Debatte darüber dauert an.