Sportwetten sind in Deutschland weit verbreitet – und für viele Menschen ein harmloses Freizeitvergnügen. Doch für einen Teil der Wettenden entwickelt sich daraus ein unkontrollierbares Muster, das erheblichen Schaden anrichten kann. Sportwetten-Sucht ist eine Form der Glücksspielstörung und wird wie jede andere Sucht behandelt.
Was ist Sportwetten-Sucht?
Sportwetten-Sucht bezeichnet das zwanghafte, unkontrollierbare Wetten auf Sportereignisse. Auch wenn Sportwetten oft als „Wissen und Können" eingestuft werden – letztlich handelt es sich um ein Glücksspiel, das starkes Suchtpotenzial aufweist. Kennzeichen sind:
- Unfähigkeit, mit dem Wetten aufzuhören, auch wenn man es will
- Steigendes Gefühl von Kontrollverlust
- Wetteinsätze werden trotz Verlusten erhöht
- Heimlichkeit und Lügen gegenüber Familie und Freunden
- Schulden durch Wettausgaben
Warum sind Sportwetten besonders riskant?
Im Vergleich zu anderen Glücksspielformen haben Sportwetten einige besondere Merkmale, die das Suchtpotenzial erhöhen können:
- Trugschluss der Kontrolle: Viele Wettende glauben, durch Sportwissen die Chancen verbessern zu können. Tatsächlich ist das Ergebnis unvorhersehbar.
- Ständige Verfügbarkeit: Online-Wettanbieter sind rund um die Uhr zugänglich – über Smartphone, Tablet, Computer.
- Live-Wetten: Wetten in Echtzeit während eines Spiels beschleunigen den Suchtprozess erheblich.
- Soziale Akzeptanz: Sportwetten sind gesellschaftlich akzeptiert, was das Erkennen eines Problems erschwert.
- Marketing: Intensive Werbung durch Sportwettenanbieter normalisiert das Wetten.
Warnzeichen einer Sportwetten-Sucht
Einige Anzeichen, die auf ein problematisches Wettverhaltens hinweisen:
- Gedanken kreisen ständig um anstehende Spiele und Wetten
- Stimmung ist stark abhängig von Wettgewinnen oder -verlusten
- Geld, das für andere Zwecke bestimmt war, wird für Wetten ausgegeben
- Verluste werden durch höhere Einsätze „zurückgeholt"
- Das soziale Leben leidet unter dem Wetten
- Kredite oder Schulden entstehen durch Wetteinsätze
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Sportwetten-Sucht und der Glücksspielstaatsvertrag
Mit dem Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) hat Deutschland ein reguliertes Lizenzierungssystem für Sportwettenanbieter eingeführt. Lizenzierte Anbieter sind zu Spielerschutzmaßnahmen verpflichtet, darunter:
- Möglichkeit zur Selbstsperre über OASIS
- Einzahlungslimits (maximal 1.000 Euro pro Monat plattformübergreifend)
- Werbeeinschränkungen
- Realitätscheck-Funktionen im Kundenkonto
Diese Schutzmaßnahmen können Betroffenen helfen – ersetzen aber keine professionelle Behandlung bei bereits bestehender Sucht.
Hilfe bei Sportwetten-Sucht
Sportwetten-Sucht ist behandelbar. Das Hilfsangebot in Deutschland umfasst:
- BZgA-Hotline: 0800 1 37 27 00 – erster Anlaufpunkt, kostenlos und anonym
- Ambulante Suchtberatung: Persönliche Beratung bei Fachberatungsstellen (siehe Beratungsseite)
- Selbsthilfegruppen: Anonyme Spieler und GamAnon (siehe Selbsthilfegruppen)
- Stationäre Therapie: Fachkliniken mit Sucht-Programmen (siehe Fachkliniken)
- Ambulante Psychotherapie: Kognitive Verhaltenstherapie bei niedergelassenen Therapeuten
BZgA-Helpline: 0800 1 37 27 00
Täglich 10–22 Uhr – kostenlos, vertraulich, ohne Voranmeldung.
Häufig gestellte Fragen zur Sportwetten-Sucht
Ist Sportwetten-Sucht eine echte Krankheit?
Ja. Glücksspielstörung – einschließlich Sportwetten-Sucht – ist als psychische Erkrankung international anerkannt und in ICD-11 (6C50) sowie DSM-5 klassifiziert. Betroffene haben Anspruch auf professionelle Behandlung, die von Krankenkasse oder Rentenversicherung übernommen wird.
Wie unterscheidet sich Sportwetten-Sucht von anderen Spielsuchtformen?
Sportwetten-Süchtige erleben oft einen stärkeren Trugschluss der Kontrolle (Wissen über Mannschaften, Statistiken). Das kann das Erkennen der Sucht verzögern, da das eigene Spielverhalten als „informiert" rationalisiert wird. Die zugrundeliegenden Suchtmechanismen sind jedoch identisch mit anderen Glücksspielformen.
Kann ich mich bei Sportwettanbietern selbst sperren lassen?
Ja. Über das bundesweite OASIS-System können Sie sich plattformübergreifend bei allen lizenzierten Anbietern sperren. Diese Sperre gilt für alle teilnehmenden Anbieter gleichzeitig. Informationen dazu erhalten Sie über die BZgA-Hotline oder direkt bei einem lizenzierten Anbieter.
Hilft es, alle Wettenkonten zu schließen?
Das Schließen von Konten ist ein sinnvoller erster Schritt, löst aber die psychologischen Ursachen der Sucht nicht. In der Praxis eröffnen viele Betroffene ohne begleitende Therapie neue Konten bei anderen Anbietern. Eine professionelle Behandlung adressiert die Grundproblematik.
Live-Wetten – sind sie gefährlicher als normale Wetten?
Fachleute weisen darauf hin, dass Live-Wetten durch ihre hohe Frequenz und Unmittelbarkeit (man kann während eines laufenden Spiels mehrmals wetten) das Suchtpotenzial erhöhen können. Die schnelle Abfolge von Einsatz, Ergebnis und erneutem Einsatz ähnelt in ihrer Wirkung dem Automatenspiel.
Mein Partner wettet zu viel – was soll ich tun?
Zunächst: Keine Schulden begleichen, kein Geld für Wetten bereitstellen. Suchen Sie selbst Unterstützung bei GamAnon (Angehörige von Spielsüchtigen). Sprechen Sie ruhig und ohne Vorwürfe mit Ihrem Partner über Ihre Sorgen und zeigen Sie Hilfsangebote auf. Die BZgA-Hotline bietet auch Beratung für Angehörige.
Kann Sportwetten-Sucht geheilt werden?
Eine vollständige „Heilung" ist bei Suchterkrankungen kein gängiges Konzept – vielmehr geht es um die Erlangung und Aufrechterhaltung der Abstinenz sowie ein gutes Leben damit. Mit professioneller Behandlung und dauerhafter Nachsorge gelingt vielen Betroffenen langfristige Abstinenz und eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität.
Sind Freigaben durch Werbung und Sponsoring von Sportvereinen ein Problem?
Die starke Präsenz von Wettanbietern im Sport wird von Suchtexperten kritisch gesehen, da sie Wetten normalisiert und besonders junge Menschen anspricht. Der GlüStV 2021 enthält Werbeeinschränkungen, die Werbung während Live-Sportübertragungen begrenzen. Die gesellschaftliche Debatte darüber dauert an.